Was ist „Wert“

Bereits der alltägliche Umgang mit dem Wort „Wert“ lässt auf sehr differenzierte Definitionen schließen. Selbst eine Zuordnung des Begriffes „Wert“ in eine wissenschaftliche Disziplin erleichtert eine Begriffsbestimmung nicht. SCHOLL-SCHAAF kritisiert den sorgenfreien Umgang des Wortes „Wert“ in der wissenschaftlichen Praxis und führt dies auf darauf zurück, dass „Wert“ allgemein bekannt sei. Neben „Wert“ als Wortteil in Verben oder Adjektiven steht es vor allem in der Philosophie im Vordergrund. In der betriebswirtschaftlichen Diskussion wird „Wert“ sehr kontrovers gesehen. Einerseits gewann der „Wert“ durch das grundlegende Werk von RAPPAPORT zum Thema Unternehmenswert an Bedeutung. Andererseits ist „Wert“ Gegenstand ethischer Überlegungen indem sie einen Selbstzweck (Werte und Normen stiften Identität und sorgen für „Harmonie des Menschen mit sich selbst“ Vgl. Horn 1996, S. 19.) erfüllen und damit auch Inhalt der Unternehmensethik sind.

GRAUMANN unterscheidet zwischen „Wert als Gut“ und „Wert als Maßstab“. Diese Einteilung war SCHOLL-SCHAAF nicht ausreichend genug und unterscheidet weiterhin „Wert als Ziel“. Bei der ersten Bestimmung „Wert als Gut“ ist „Wert“ das Objekt seiner selbst. Beispielhaft sei hier die Redeweise „Es ist es mir wert“ zur Veranschaulichung genannt. Der Wert liegt im Objekt und suggeriert, dass „es soviele Werte geben kann, wie es Gegenstände gibt […]“. Da hier im Objekt keine klare Differenzierung der inneren Beziehungen der Werte untereinander möglich ist, fällt eine Rangordnung oder gar eine Aufstellung eines Wertesystems schwer. Anders wird „Wert als Maßstab“ gesehen. Hier liegt es im Subjektivismus, dass Werten ein subjektives Befinden eigen ist. Dies findet sich in den „Wertvorstellungen“ wieder. Den Werten haftet etwas Irreales an und sie „werden zum Inbegriff des Subjektiven […]“. Eine Kombination der bisherigen Definitionen liefert der dritte Ansatz „Wert als Ziel“. Hiebei ist Wert das Subjekt auf ein materielles oder immaterielles Objekt. Es findet eine Identifikation der Werte mit Hand- lungsmustern statt, die Unterscheidungen zwischen direkten und indirekten Werten erlauben, welche sich in Zweck-Mittel Beziehungen niederschlagen. KMIECIAK schließt die Objektivierung der Werte aus, indem es durch die Subjektivierung an Relevanz verlor.

Dennoch lässt sich aus den bisherigen Erklärungsversuchen Folgendes ableiten: Die Objektivierung des Werte-Begriffes scheitert, da sie völlig von dem Subjekt losgelöst ist. Um normativ etwas zu bewerten, muss eine Subjektivierung erfolgen. Auch die dritte Perspektive dient als Erklärungsversuch für die hier diskutierte Problematik, da Werte durchaus etwas Erstrebenswertes darstellen. Bereits 1951 stellte KLUCKHOHN in seinem Aufsatz fest, dass Werte den Zusammenhalt einer Gesellschaft sichern. Dieser Auffassung nach stellen Werte „a conception, explicit or implicit, distincitve of an individual or characteristic of a group, of the desirable wich influences the selection from available modes, means, and ends of action.“68 dar. Aus dieser Definition lässt sich der Schluss ziehen, dass Werte einen kulturellen Hintergrund haben und innerhalb sozialer Systeme etwas „desirable – wünschenswertes“ symbolisieren. Dieses Wünschenswerte bildet die Grundlage für ein Bedürfnis, welches zum Handeln anregt. Weiterhin beinhaltet diese Definition eine Auswahl möglicher Arten, Mittel und Zwecke, die eine Handlung beeinflussen.

Für Organisationen als gesellschaftliches Subsystem innerhalb derselben Wirksphäre gelten daher Werte als normative Basis, da sie Zwecke mit unterschiedlichsten Mitteln verfolgen und Transaktionen zwischen unterschiedlichen Subsystemen existieren.

Die hier zugrunde legende Definition für „Wert“ lässt sich nach KMIECIAK wiefolgt festhalten, wobei diese nicht explizit auf Personen im Allgemeinen, sondern kollektivistisch gilt:

„Ein kulturell- und sozialdeterminiertes ( und geltendes ), dynamisches, ichzentrales, selbstkonstitutives Ordnungskonzept als Orientierungslinie, die den Systeminput einer Person ( Wahrnehmung ) selektiv organisiert und akzentuiert sowie ihren Output ( Verhalten ) reguliert, mithin eine ichdirigierte aktive Planung und Ausrichtung des Verhaltens über verschiedene Situationen hinweg ermöglicht.“ Kmieciak 1976, S. 150.

Literatur:

Graumann, C. (1965): Die Dynamik von Interessen, Wertungen und Einstellun- gen, in: Allgemeine Psychologie 2. Band, (Hrsg:) H., T., Verlag für Psychologie, Göttingen, S. 272-305.

Horn, K.I. (1996): Moral und Wirtschaft, Mohr Siebeck GmbH & Co. K, Tübingen.

Kampits, P. (2007): Werte – aber welche? Reflexionen zu Wertewandel, Wertever- lust, Wertekonflikten, in: Werte – aber welche? Die Werte-Debatt, (Hrsg:) Washietl, E./Pfisterer, E., LIT Verlag, Berlin, S. 15-24.

Kluckhohn, C. (1951): Values and Value Orientations in the Theory of Action. An Exploration in Definition and Classification, in: Toward a General Theory of Action, (Hrsg:) Parsons, T./Shils, E., Harvard Univ. Press, Cambridge, S. 388-433.

Kmieciak, P. (1976): Wertstrukturen und Wertwandel in der Bundesrepublik Deutschland, Verlag Otto Schwartz, Göttingen.

Krobath, H. (2009): Werte – ein Streifzug durch Philosophie und Wissenschaft, Königshausen & Neumann, Würzburg.

Luhmann, N. (1995): Social Systems, Stanford University Press, Stanford.

Parsons, T. (1985): Das System moderner Gesellschaften, Juventa, Weinheim und München.

Rappaport, A. (1986): Creating Shareholder Value, Free Press, New York.

Scholl-Schaaf, M. (1975): Werthaltung und Wertsystem, Bouvier Verlag Herbert

Grundmann, Bonn.

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