Archiv für den Monat Januar 2014

Ist der Taylorismus noch modern?

Im Rahmen meines Seminars an der Hochschule ist auch das Thema „Taylorismus“ wieder  diskutiert worden, sodass ich dies für diesen Beitrag zum Anlass nehme.

Seit 103 Jahren hält sich der Mythos von F. Taylor´s „Scientific Management“. Taylor wollte mit seinem Werk grundsätzlich den Wohlstand fördern, da er mit seiner Theorie Produktivität und Gewinne erhöhen wollte.

Herausgekommen ist jedoch eine Zerlegung der Tätigkeiten in kleinste Arbeitseinheiten, Arbeiter werden durch Leistungsentlohnung motiviert und es erfolgte eine Trennung zwischen planenden und ausführenden Tätigkeiten.

Entsprechend lautet der Vorwurf: Arbeit wird so sinnentleert, der Wert der Fähigkeiten von Arbeitnehmern sinkt, monotone Arbeiten führen zu weniger selbstständigen Denken der Mitarbeiter… Kein Wunder, dass sich ein bestimmtes Bild der Mitarbeiter in den Köpfen der Manager verankern konnte (vgl. Theorie X von D. McGregor)

Dabei liegt die Ironie in dem Werk „Scientific Management“ selbst. Denn so wissenschaftlich ist das Werk gar nicht. Die durchgeführten Experimente dienen lediglich zur Überprüfung von Hypothesen. Hypothesen bilden aber noch keine Theorie. Gleichzeit wurden keine Kontrollexperimente durchgeführt, die die „Theorie“ bestätigen könnte. Es ist nicht bewiesen, dass der Mensch von Natur aus faul sei oder nur durch Geld motiviert werde, damit ist auch die Basis seiner Theorie nicht beweisbar.

Weiterhin wird die Größe seiner Stichprobe kritisiert, die nur aus erstklassigen Arbeitnehmern bestand und für das Experiment enorm unter Druck gesetzt wurden.

Was bleibt also von den Ideen? Gehalten hat sich bis heute die Hierarchie, die Trennung von Kopf- und Handarbeit (Branchen bzw. Firmenabhängig), Anreizsysteme zur Motivation, REFA, Stück- oder Akkordlohn, uvm.

Diskutieren Sie mit: Ist der Taylorismus noch aktuell? Wo finden sich noch Spuren des Taylorismus in der heutigen Managementpraxis? Haben Taylors Ideen wirklich Einfluss auf die Produktivität und den Gewinn? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Literatur:

Hebeisen, W. (1999): F.W. Taylor und der Taylorismus: Über das Wirken und die Lehre Taylors und die Kritik am Taylorismus, Zürich: vdv Hochschulverlag AG

Kieser, A.; Ebers M. (Hrsg.)(2006): Organisationstheorien, 6. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer GmbH

Taylor, F. (1995): Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, Weinheim: Beltz Verlag

weitere Literaturhinweise zum Umgang mit dem Taylorismus:

Held, B.; Herzner, A.; Sowada, N. (2013): Planung und Budgetierung im Non-Profit und im Profit Center. Analyse und Fallbeispiel, Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Pfläging, N. (2013): Organisation für Komplexität, Norderstedt: BoD.

 

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