Archiv für den Monat August 2017

So haben KMUs ihre Risiken im Griff

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Hintergrund:

Das aktive identifizieren, bewerten und steuern von Risiken ist bislang nicht auf der Agenda von kleinen- und mittleren Unternehmen (KMU). Dabei ist das Thema auch für KMUs, vor allem GmbHs nicht zu unterschätzen. Denn laut § 43 GmbHG haben „Die Geschäftsführer (..) in den Angelegenheiten der Gesellschaft die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes anzuwenden. (2) Geschäftsführer, welche ihre Obliegenheiten verletzen, haften der Gesellschaft solidarisch für den entstandenen Schaden.“ Auch das HGB fordert einen besonderen Umgang mit Risiken, die den Fortbestand der Gesellschaft gefährden könnten. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gehen nur auf interne Risiken ein, die relevant für die Rechnungslegung sind. Andere interne Risiken (z.B. Fachkräfte-, Bewerbermangel, Krankheit, …) oder externe Risiken (z.B. Wettbewerb, Vertragsrisiken, gesetzliche Änderungen, Preisänderungen, …) werden dabei nicht berücksichtigt. Nach HGB sind im Lagebricht die Chancen und Risiken der Gesellschaft darzulegen.

 

Was also tun als KMU? Die Lösung ist ein Risikomanagementsystem nach ISO 31000 oder COSO. Beide Verfahren liefern einen Risikomanagementprozess, der dem Unternehmen hilft, Risiken zu identifizieren, zu analysieren, zu bewerten und zu steuern. Der Nachteil liegt für KMUs klar auf der Hand: Die hohen Implementierungskosten und der hohe Zeitaufwand schrecken die meisten davon ab.

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Die Lösung: Ein eigenes, an das Unternehmen und die Branche angepasstes Risikomanagementsystem.

 

Wie: Mit einfachen Tools lassen sich Risiken identifizieren, analysieren, bewerten und steuern. Das System lässt sich z.B. in Excel abbilden – so ist es einfach und für jeden Mitarbeiter zu verstehen und sofort anzuwenden.

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Nutzen:

Alle Risiken, die negative Auswirkungen auf das Unternehmen haben könnten, sind bekannt, bewertet und Maßnahmen zur Vorbeugung getroffen. Sollte ein Risiko dennoch eintreten, so ist man darauf vorbereitet und weiß das Risiko zu handhaben. Der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken wirkt sich auch positiv auf Kunden, Lieferanten, Banken oder bei Unternehmensnachfolgen aus. Zugleich bietet jedes Risiko auch eine Chance, die das Unternehmen für Wettbewerbsvorteile nutzen kann.

 

Beispiel: Brainstorming zur Risikoidentifikation

Sie und Ihr Team (z.B. alle Projektleiter, Vertriebsmitarbeiter, Produktionsmitarbeiter etc.) benötigen lediglich einen dickeren Stift, Karteikarten und etwas Platz (z.B. großer Tisch, Pinnwand o.ä.). Innerhalb von 10 Minuten schreibt jeder die Geschehnisse auf, die seinen / ihren Arbeitsablauf gestört haben oder beinahe gestört hätten. Das können Punkte aus den Bereichen Arbeitssicherheit, Unvorhergesehene Ereignisse im Projektablauf oder ähnliches sein. Alles wird auf dem Tisch / Pinnwand gesammelt.

Im Anschluss werden Cluster gebildet: Was ist bereits eingetreten? Was sind nur Befürchtungen gewesen?

Wichtig beim Brainstorming: Innerhalb der Zeit ist alles aufzuschreiben, es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ – alles wird ohne Kommentar und Bewertung notiert und angesprochen.

 

Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung – Kontakt

Bildquelle: http://www.pixabay.com CC0 Lizenz

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Warum Ethik im Unternehmen nicht funktioniert

Die verschiedenen ethischen Grundrichtungen sind ausreichend diskutiert, doch im Alltag werden die Organisationen mit ethischen Fragen großteils alleine gelassen und es liegt an der Tugendhaftigkeit des jeweiligen Menschen, sich „moralisch gut“ zu verhalten. Deutlich wird dies derzeit beim Dieselgate, den Absprachen der großen Automobilunternehmen. Die Beispiele lassen sich zahlreich fortführen.

Dabei trägt die Organisationsstruktur maßgeblich dazu bei, „ethisch gut“ arbeiten zu können. Folgende Argumente sprechen trotz guter Tugend letztendlich dagegen, Verantwortung zu übernehmen:

Solange in Hierarchien das Denken und Handeln aufgegeben wird, nicht an einer gemeinsamen Vision und an gemeinsamen Wertvorstellungen gearbeitet wird, wird Egoismus weiterhin die Verfolgung eigener Ziele bestärken und die Organisation an der Entwicklung hindern. Dieses Modell nennen wir heute Management. Warum Management heute aber nicht funktioniert können Sie hier nachlesen. (http://www.betacodex.org).

UnbenanntQuelle: BBRT

Weiterhin erschwert das Führen mit Zielen (Management by Objectives) ein ethisches Verhalten. Sicherlich sind Ziele wichtig und bieten Orientierung, aber in Organisationen werden Zielvereinbarungsgespräche geführt und der Verhandlungsschwächere (meist eine Hierarchiestufe niedriger) geht mit für ihn zu hohen Zielen aus den Verhandlungen. Die Folge: Gibt der Markt diese Möglichkeiten nicht her, diese Ziele zu erreichen, so wird der Mitarbeiter „erfinderisch“ und zu unethischem Verhalten geradezu aufgefordert. Der Befehl lautet ja: Erreiche das Ziel!

So erkennen Sie anhand folgender Beispielhafter Ziele, ob Sie irgendwann in einer Dilemma-Situation landen: Bringen Sie X € Umsatz im Monat, führen Sie Anzahl Y Gespräche mit Kunden; Erzielen Sie eine bestimmte Anzahl an Abschlüssen…

Fixierte Ziele mit Planvorgaben und Ist-vergleich erzwingen Kontrolle und beeinflussen das Verhalten negativ.

Besser: Flexible Ziele – Ein erster Schritt zu ethischem Verhalten

Diese richten sich an den Markt und der Mitarbeiter steht nicht „unter Druck“ diese Ziele auf illegale Weise zu erreichen. Dies wird auch empirisch unterstützt. So sind zu hohe Ziele die erste Ursache dafür, dass Mitarbeiter einer Organisation zu Korruption greifen (Campbell 2014). Compliance ist die Folge und wird als Kontrollinstanz notwendig. Die Ursache wird nicht bekämpft.

Ein weiterer Grund zu unethischem Verhalten liegt am Gehalt, gekoppelt an fixen Leistungszielen. Das derzeitige Vergütungssystem ist ein weiterer Baustein, der Gier fördert und Mitarbeiter Wege finden, den besten Bonus zu erzielen (egal ob damit Wertschöpfung entsteht, Gesetze gebrochen werden, Mitarbeiter gemobbt werden, Zahlen verfälscht werden etc.). Gehen Sie zu relativen, variablen Vergütungssystemen über, gekoppelt mit relativen Grundgehältern. Werden Mitarbeiter entsprechend ihren Fähigkeiten entlohnt und können diese von dem Verdienst leben, entfällt ein weiterer Grund unethisch zu handeln.