Archiv für den Monat Januar 2019

Wohin wollen wir wachsen?

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Die aktuellen Entwicklungen des Kapitalismus schuf eine breite Krisenlandschaft: Finanzblasen, Datenhunger und Hungerkrisen, Spreitzung von Reichtum und Armut, Energiekrise, Konsumkrise, Sinnkrise und Demokratiekrise.

Ausgangspunkt ist die zentrale Anreizstruktur: Konkurrenz und Gewinnstreben.

Berufen wird sich dabei immer auf Adam Smiths unsichtbare Hand und der Annahme, dass nur Egoismus zu einer allgemeinen Glückszunahme führt. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass nicht zu viel Egoismus herrsche (bei mangelnder Qualität oder zu teueren Preisen würde der Wettbewerb das intern regulieren). Da Unternehmen in diesem Szenario aber erstmals alle unter gleichen Bedingungen am Markt teilnehmen können, zeigt die Praxis, dass sich ethischen Verhalten derzeit nicht lohnt. Bis – wenn überhaupt – der Schutzmechanismus greift, gewinnt der, der sich am egoistischen verhält. Ethisches Verhalten muss sich erst wieder lohnen (Genaueres mal an anderer Stelle oder bei Ulrich, Steinmann/Löhr, Homann oder Wieland).

Was ist passiert?

Der Gedanke immer mehr – immer weiter – immer höher hat sich inzwischen fest manifestiert, wird aber in Zukunft mangels limitierter Resourcen nicht möglich sein. Das wäre mit normalen Menschenverstand verstehbar, leider wird es einfach ignoriert.

Was muss passieren?

Es bedarf also eines Wirtschaftssystems, das Gleiche gleich und ungleiche ungleich belohnt. Leistung im Sinne des Gemeinwohls muss sich lohnen: Unternehmen, die sich ethisch, ökolgosicher, nachhaltiger, regionaler etc. verhalten, wären in diesem System günstiger als z. B. kurzlebige einmalige Wegwerfartikel.

Es bedarf eines Wirtschaftssystems, in dem Wohlstand auch ohne Wachstum möglich ist. Die Vorteile lägen auch im Privatleben auf der Hand: Entschleunigung (betrachte man nur die Zeit, die man für Konsum, Wegwerfen und Neukauf verbringt), weniger Stress, mehr Zeit für relevantes (z. B. Ehrenamt, Bildung etc.)

Es bedarf einer sozialen Marktwirtschaft 2.0 in der die Balance zwischen menschlicher und technologischer Arbeit berücksichtigt werden muss. In der Menschenrechte, Arbeitsrechte und weitere Externalitäten (Umweltkosten) intern im System berücksichtigt werden. Mitbestimmungsrecht und eine Demokratie innerhalb der Wirschaft wären erste Ansatzpunkte.

Basis ist da!

Die in den meisten Verfassungen niedergeschriebenen Werte wie Menschenrechte, Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit sowie Demokratie müssen nun auch in das Wirtschaftssystem übertragen werden. Wirtschaft und Gesellschaft müssen wieder zusammenrücken: Das bedeutet auch, das die reine monetäre Erfolgsmessung um gesellschaftliche Indikatoren erweitert werden muss.

Das Grundgesetz oder in die bayerische Verfassung hat dies im Kern bereits verankert: Art. 151

(1) Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.

Man sieht, die Basis ist gelegt, die Politik und Gesellschaft gefordert. Statt reinem Kapitalismus benötigen wir eine soziale Marktwirtschaft 2.0. Wie dies dann konkret aussehen kann, wird in einem extra Beitrag angerissen.

Quellen:

Smith A. (1776): An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations.

Felber C. (2012): Die Gemeinwohl-Ökonomie, Wien

Maedows et al. (2007): Grenzen des Wachstums, Stuttgart

Paech N (2013): Befreiung vom Überfluss, München.

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