Archiv der Kategorie: Philosophie

Die Frage nach dem Verhältnis von Nachhaltigkeit und Ökonomie

In der Schriftenreihe „OTH Amberg-Weiden im Dialog: Weidener Diskussionspapiere“ ist in der Ausgabe 46, Dezember 2014, ein Beitrag von M.Sc. Alexander Herzner, Mitarbeiter im Institut für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft, zum Titel „Die Frage nach dem Verhältnis von Nachhaltigkeit und Ökonomie“ erschienen. Der Autor beschäftigt sich in der Publikation mit dem Spannungsverhältnis zwischen Nachhaltigkeit und Ökonomie und seinen Herausforderungen, verbunden mit der Frage, was wichtiger sei.

M.Sc. Alexander Herzner: „Manche ökonomische Theorie muss daher überdacht und kritisch hinterfragt werden. Unternehmen sind gesellschaftliche Organe, sie existieren nicht nur der Gewinnerzielung wegen, sondern sind auch in der Gesellschaft verankert. Es ist notwendig, nicht in Disziplinen oder Kategorien zu denken, sondern einen gemeinsamen Code zu generieren, der Unternehmen als Mittler zwischen Ökonomie und Nachhaltigkeit sieht, auch mit Blick auf das Wohl künftiger Generationen“.

Den kompletten Beitrag finden Sie hier zum downloaden

(Quelle: Presse-Mitteilung der OTH)

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Interpersonalität in Organisationen

Ein Thema was Manager, Mitarbeiter und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen interessiert, ist der Umgang der Menschen in Organisationen untereinander. Diese Thematik wird auch in der Unternehmensethik aufgegriffen, fällt unter den Punkt „Soziales“ der Nachhaltigkeit und der Corporate Social Responsibility. Aus den Bereichen der Psychologie (v.a. Motivationslehre, Verhaltensforschung), Personalführung und Unternehmensführung gibt es vielfach Verfahren, Theorien und Instrumente zur Mitarbeiterführung. Auch moralisch gibt es je nach Kulturraum bestimmte Wertvorstellungen (z.B. Offenheit, Fairness, Transparenz, Ehrlichkeit, Respekt usw.), die eine Führungskultur charakterisiert.

Aber was ist das Mindestmaß im interpersonalen Umgang untereinander? Und was ermöglicht dann ein gelungenes Interpersonalverhältnis?

Diskutieren Sie mit z.B. über Twitter mit dem #interpersonal oder direkt hier im Blog.

Wirtschaftswissenschaft 2.0: Kommentar

Adam Smith; engraving

Adam Smith; engraving (Photo credit: Wikipedia)

Der Beitrag von Ronald Coase, Nobelpreisträger für Wirtschaft sowie Begründer der Transaktionskostentheorie, „Erneuert die Wissenschaft!“ im Harvard Business Manager regte mich stark zum Nachdenken an. Da ich sozusagen zwischen den Stühlen sitze und in mir ein wissenschaftliches als auch unternehmerisches Herz schlägt, bringe ich hier ein paar Gedanken zum Ausdruck.

In den frühen Jahren der Wissenschaft lag das Anliegen darin, für die Praxis neue Erkenntnisse zu gewinnen. Adam Smith legte 1776 den Grundstein. Zwar kritisierte er die Vorgehensweise vieler Unternehmer (u.a. ihre Gier), dennoch war sein Werk sehr gefragt und besiegelte zeitgleich den Aufschwung einer Wirtschaftswissenschaft. In der Neoklassik und später in der neuen Institutionenökonomie, zu deren Vertretern auch Ronald Coase zählt, findet sich die Wirtschaftstheorie inmitten einer breiten Schar von Wissenschaftlern und Unternehmen. Anfangs galt es, von der Wissenschaft Erkenntnisse zum Wohle der Unternehmen in die Praxis zu transferieren. Ein Beispiel sei das Werk von Frederic Taylor „Scientific Management“, aber auch die „Forschung“ (ich drücke es mal vorsichtig so aus) von Sloan, Ford u.a..

Doch im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwand die Wirtschaftswissenschaft in den Gewinden der Theorie. Ronald Coase sieht dies kritisch – ich auch. Denn woran sollen sich die Unternehmen heute orientieren? Sie müssen sich auf ihr Bauchgefühl verlassen und können somit einer Vielzahl von kognitiven Verzerrungen unterliegen. Unternehmen orientieren sich aber dann auch an der Gesellschaft bzw. Politik und folgen deren Empfehlungen. Doch gerade die Politik sorgt für eine große Dynamik und die Gesellschaft wandelt sich von Generation zu Generation und von Region zu Region. Da Schritt zu halten zeigt sich als sehr mühsam.

Was bleibt dann für die Wissenschaft? Einerseits die Neuerfindung des Rades mit neuen Theorien, die in einem Bücherregal landen oder die reine Analyse der in der Praxis auftauchenden Konzepte und Methoden bzw. der Versuch Phänomene zu erklären. Die Eurokrise zeigt, was die Analyse ohne konkrete Empfehlungen bringt. Die Praxis nimmt sich der Herausforderung mithilfe der Heuristik an und entwickelt (oder vielleicht sollten wir sagen: forscht) an den Lösungen. Aktuelle Belange, wie neuere Steuerungsmodelle (z.B. die Arbeiten des BBRT und die Ideen des BeyondBudgeting), gelangen oft (nur langsam) aus der Praxis in die Wissenschaft. Als Beispiel des Erfolges zeigt die Balanced Scorecard, wie die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis funktionieren kann.
Wie das Internet ist Wissenschaft kein Paralleluniversum der Praxis, sie sind – Eins.

Was ist „Wert“

Bereits der alltägliche Umgang mit dem Wort „Wert“ lässt auf sehr differenzierte Definitionen schließen. Selbst eine Zuordnung des Begriffes „Wert“ in eine wissenschaftliche Disziplin erleichtert eine Begriffsbestimmung nicht. SCHOLL-SCHAAF kritisiert den sorgenfreien Umgang des Wortes „Wert“ in der wissenschaftlichen Praxis und führt dies auf darauf zurück, dass „Wert“ allgemein bekannt sei. Neben „Wert“ als Wortteil in Verben oder Adjektiven steht es vor allem in der Philosophie im Vordergrund. In der betriebswirtschaftlichen Diskussion wird „Wert“ sehr kontrovers gesehen. Einerseits gewann der „Wert“ durch das grundlegende Werk von RAPPAPORT zum Thema Unternehmenswert an Bedeutung. Andererseits ist „Wert“ Gegenstand ethischer Überlegungen indem sie einen Selbstzweck (Werte und Normen stiften Identität und sorgen für „Harmonie des Menschen mit sich selbst“ Vgl. Horn 1996, S. 19.) erfüllen und damit auch Inhalt der Unternehmensethik sind.

GRAUMANN unterscheidet zwischen „Wert als Gut“ und „Wert als Maßstab“. Diese Einteilung war SCHOLL-SCHAAF nicht ausreichend genug und unterscheidet weiterhin „Wert als Ziel“. Bei der ersten Bestimmung „Wert als Gut“ ist „Wert“ das Objekt seiner selbst. Beispielhaft sei hier die Redeweise „Es ist es mir wert“ zur Veranschaulichung genannt. Der Wert liegt im Objekt und suggeriert, dass „es soviele Werte geben kann, wie es Gegenstände gibt […]“. Da hier im Objekt keine klare Differenzierung der inneren Beziehungen der Werte untereinander möglich ist, fällt eine Rangordnung oder gar eine Aufstellung eines Wertesystems schwer. Anders wird „Wert als Maßstab“ gesehen. Hier liegt es im Subjektivismus, dass Werten ein subjektives Befinden eigen ist. Dies findet sich in den „Wertvorstellungen“ wieder. Den Werten haftet etwas Irreales an und sie „werden zum Inbegriff des Subjektiven […]“. Eine Kombination der bisherigen Definitionen liefert der dritte Ansatz „Wert als Ziel“. Hiebei ist Wert das Subjekt auf ein materielles oder immaterielles Objekt. Es findet eine Identifikation der Werte mit Hand- lungsmustern statt, die Unterscheidungen zwischen direkten und indirekten Werten erlauben, welche sich in Zweck-Mittel Beziehungen niederschlagen. KMIECIAK schließt die Objektivierung der Werte aus, indem es durch die Subjektivierung an Relevanz verlor.

Dennoch lässt sich aus den bisherigen Erklärungsversuchen Folgendes ableiten: Die Objektivierung des Werte-Begriffes scheitert, da sie völlig von dem Subjekt losgelöst ist. Um normativ etwas zu bewerten, muss eine Subjektivierung erfolgen. Auch die dritte Perspektive dient als Erklärungsversuch für die hier diskutierte Problematik, da Werte durchaus etwas Erstrebenswertes darstellen. Bereits 1951 stellte KLUCKHOHN in seinem Aufsatz fest, dass Werte den Zusammenhalt einer Gesellschaft sichern. Dieser Auffassung nach stellen Werte „a conception, explicit or implicit, distincitve of an individual or characteristic of a group, of the desirable wich influences the selection from available modes, means, and ends of action.“68 dar. Aus dieser Definition lässt sich der Schluss ziehen, dass Werte einen kulturellen Hintergrund haben und innerhalb sozialer Systeme etwas „desirable – wünschenswertes“ symbolisieren. Dieses Wünschenswerte bildet die Grundlage für ein Bedürfnis, welches zum Handeln anregt. Weiterhin beinhaltet diese Definition eine Auswahl möglicher Arten, Mittel und Zwecke, die eine Handlung beeinflussen.

Für Organisationen als gesellschaftliches Subsystem innerhalb derselben Wirksphäre gelten daher Werte als normative Basis, da sie Zwecke mit unterschiedlichsten Mitteln verfolgen und Transaktionen zwischen unterschiedlichen Subsystemen existieren.

Die hier zugrunde legende Definition für „Wert“ lässt sich nach KMIECIAK wiefolgt festhalten, wobei diese nicht explizit auf Personen im Allgemeinen, sondern kollektivistisch gilt:

„Ein kulturell- und sozialdeterminiertes ( und geltendes ), dynamisches, ichzentrales, selbstkonstitutives Ordnungskonzept als Orientierungslinie, die den Systeminput einer Person ( Wahrnehmung ) selektiv organisiert und akzentuiert sowie ihren Output ( Verhalten ) reguliert, mithin eine ichdirigierte aktive Planung und Ausrichtung des Verhaltens über verschiedene Situationen hinweg ermöglicht.“ Kmieciak 1976, S. 150.

Literatur:

Graumann, C. (1965): Die Dynamik von Interessen, Wertungen und Einstellun- gen, in: Allgemeine Psychologie 2. Band, (Hrsg:) H., T., Verlag für Psychologie, Göttingen, S. 272-305.

Horn, K.I. (1996): Moral und Wirtschaft, Mohr Siebeck GmbH & Co. K, Tübingen.

Kampits, P. (2007): Werte – aber welche? Reflexionen zu Wertewandel, Wertever- lust, Wertekonflikten, in: Werte – aber welche? Die Werte-Debatt, (Hrsg:) Washietl, E./Pfisterer, E., LIT Verlag, Berlin, S. 15-24.

Kluckhohn, C. (1951): Values and Value Orientations in the Theory of Action. An Exploration in Definition and Classification, in: Toward a General Theory of Action, (Hrsg:) Parsons, T./Shils, E., Harvard Univ. Press, Cambridge, S. 388-433.

Kmieciak, P. (1976): Wertstrukturen und Wertwandel in der Bundesrepublik Deutschland, Verlag Otto Schwartz, Göttingen.

Krobath, H. (2009): Werte – ein Streifzug durch Philosophie und Wissenschaft, Königshausen & Neumann, Würzburg.

Luhmann, N. (1995): Social Systems, Stanford University Press, Stanford.

Parsons, T. (1985): Das System moderner Gesellschaften, Juventa, Weinheim und München.

Rappaport, A. (1986): Creating Shareholder Value, Free Press, New York.

Scholl-Schaaf, M. (1975): Werthaltung und Wertsystem, Bouvier Verlag Herbert

Grundmann, Bonn.