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Ist der Taylorismus noch modern?

Im Rahmen meines Seminars an der Hochschule ist auch das Thema „Taylorismus“ wieder  diskutiert worden, sodass ich dies für diesen Beitrag zum Anlass nehme.

Seit 103 Jahren hält sich der Mythos von F. Taylor´s „Scientific Management“. Taylor wollte mit seinem Werk grundsätzlich den Wohlstand fördern, da er mit seiner Theorie Produktivität und Gewinne erhöhen wollte.

Herausgekommen ist jedoch eine Zerlegung der Tätigkeiten in kleinste Arbeitseinheiten, Arbeiter werden durch Leistungsentlohnung motiviert und es erfolgte eine Trennung zwischen planenden und ausführenden Tätigkeiten.

Entsprechend lautet der Vorwurf: Arbeit wird so sinnentleert, der Wert der Fähigkeiten von Arbeitnehmern sinkt, monotone Arbeiten führen zu weniger selbstständigen Denken der Mitarbeiter… Kein Wunder, dass sich ein bestimmtes Bild der Mitarbeiter in den Köpfen der Manager verankern konnte (vgl. Theorie X von D. McGregor)

Dabei liegt die Ironie in dem Werk „Scientific Management“ selbst. Denn so wissenschaftlich ist das Werk gar nicht. Die durchgeführten Experimente dienen lediglich zur Überprüfung von Hypothesen. Hypothesen bilden aber noch keine Theorie. Gleichzeit wurden keine Kontrollexperimente durchgeführt, die die „Theorie“ bestätigen könnte. Es ist nicht bewiesen, dass der Mensch von Natur aus faul sei oder nur durch Geld motiviert werde, damit ist auch die Basis seiner Theorie nicht beweisbar.

Weiterhin wird die Größe seiner Stichprobe kritisiert, die nur aus erstklassigen Arbeitnehmern bestand und für das Experiment enorm unter Druck gesetzt wurden.

Was bleibt also von den Ideen? Gehalten hat sich bis heute die Hierarchie, die Trennung von Kopf- und Handarbeit (Branchen bzw. Firmenabhängig), Anreizsysteme zur Motivation, REFA, Stück- oder Akkordlohn, uvm.

Diskutieren Sie mit: Ist der Taylorismus noch aktuell? Wo finden sich noch Spuren des Taylorismus in der heutigen Managementpraxis? Haben Taylors Ideen wirklich Einfluss auf die Produktivität und den Gewinn? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Literatur:

Hebeisen, W. (1999): F.W. Taylor und der Taylorismus: Über das Wirken und die Lehre Taylors und die Kritik am Taylorismus, Zürich: vdv Hochschulverlag AG

Kieser, A.; Ebers M. (Hrsg.)(2006): Organisationstheorien, 6. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer GmbH

Taylor, F. (1995): Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, Weinheim: Beltz Verlag

weitere Literaturhinweise zum Umgang mit dem Taylorismus:

Held, B.; Herzner, A.; Sowada, N. (2013): Planung und Budgetierung im Non-Profit und im Profit Center. Analyse und Fallbeispiel, Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Pfläging, N. (2013): Organisation für Komplexität, Norderstedt: BoD.

 

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Wirtschaftswissenschaft 2.0: Kommentar

Adam Smith; engraving

Adam Smith; engraving (Photo credit: Wikipedia)

Der Beitrag von Ronald Coase, Nobelpreisträger für Wirtschaft sowie Begründer der Transaktionskostentheorie, „Erneuert die Wissenschaft!“ im Harvard Business Manager regte mich stark zum Nachdenken an. Da ich sozusagen zwischen den Stühlen sitze und in mir ein wissenschaftliches als auch unternehmerisches Herz schlägt, bringe ich hier ein paar Gedanken zum Ausdruck.

In den frühen Jahren der Wissenschaft lag das Anliegen darin, für die Praxis neue Erkenntnisse zu gewinnen. Adam Smith legte 1776 den Grundstein. Zwar kritisierte er die Vorgehensweise vieler Unternehmer (u.a. ihre Gier), dennoch war sein Werk sehr gefragt und besiegelte zeitgleich den Aufschwung einer Wirtschaftswissenschaft. In der Neoklassik und später in der neuen Institutionenökonomie, zu deren Vertretern auch Ronald Coase zählt, findet sich die Wirtschaftstheorie inmitten einer breiten Schar von Wissenschaftlern und Unternehmen. Anfangs galt es, von der Wissenschaft Erkenntnisse zum Wohle der Unternehmen in die Praxis zu transferieren. Ein Beispiel sei das Werk von Frederic Taylor „Scientific Management“, aber auch die „Forschung“ (ich drücke es mal vorsichtig so aus) von Sloan, Ford u.a..

Doch im Laufe des 20. Jahrhunderts verschwand die Wirtschaftswissenschaft in den Gewinden der Theorie. Ronald Coase sieht dies kritisch – ich auch. Denn woran sollen sich die Unternehmen heute orientieren? Sie müssen sich auf ihr Bauchgefühl verlassen und können somit einer Vielzahl von kognitiven Verzerrungen unterliegen. Unternehmen orientieren sich aber dann auch an der Gesellschaft bzw. Politik und folgen deren Empfehlungen. Doch gerade die Politik sorgt für eine große Dynamik und die Gesellschaft wandelt sich von Generation zu Generation und von Region zu Region. Da Schritt zu halten zeigt sich als sehr mühsam.

Was bleibt dann für die Wissenschaft? Einerseits die Neuerfindung des Rades mit neuen Theorien, die in einem Bücherregal landen oder die reine Analyse der in der Praxis auftauchenden Konzepte und Methoden bzw. der Versuch Phänomene zu erklären. Die Eurokrise zeigt, was die Analyse ohne konkrete Empfehlungen bringt. Die Praxis nimmt sich der Herausforderung mithilfe der Heuristik an und entwickelt (oder vielleicht sollten wir sagen: forscht) an den Lösungen. Aktuelle Belange, wie neuere Steuerungsmodelle (z.B. die Arbeiten des BBRT und die Ideen des BeyondBudgeting), gelangen oft (nur langsam) aus der Praxis in die Wissenschaft. Als Beispiel des Erfolges zeigt die Balanced Scorecard, wie die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis funktionieren kann.
Wie das Internet ist Wissenschaft kein Paralleluniversum der Praxis, sie sind – Eins.